Auf Mallorca leben: Der ultimative Guide

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Wie fühlt es sich an, morgens von sanftem Licht geweckt zu werden, den Kaffee mit Blick auf Olivenhaine oder die Bucht von Palma zu trinken – und zu wissen: Das hier ist nicht Urlaub, sondern Alltag? Auf Mallorca leben ist ein Traum, der sich für viele realer anfühlt, als sie je erwartet hätten. Aber der Weg dorthin ist gespickt mit kleinen und großen Hürden, versteckten Chancen und Entscheidungen, die man besser nicht auf die leichte Schulter nimmt. Wer glaubt, auf Mallorca leben bedeute einfach nur Sonne, Meer und Siesta, wird schnell merken: Die Insel hat ihre eigenen Regeln, Rituale und eine einzigartige Mischung aus mediterranem Lebensgefühl und mallorquinischer Bodenständigkeit. In diesem ultimativen Guide erfährst du alles, was du wissen musst – von der Wahl der richtigen Region bis zu Behörden, Mietfallen und den echten Geheimtipps, die nicht im Reiseführer stehen. Und ja: Ich verrate dir auch, wo du noch ursprüngliche Bars findest, warum du bei der Wohnungssuche Geduld brauchst und wieso ein “Bon dia!” manchmal mehr Türen öffnet als jede Kreditkarte. Willkommen auf Mallorca – dort, wo der Alltag anders tickt.

Beige Betongebäude während des Tages auf Mallorca, fotografiert von L'Odyssée Belle.
Das Bild zeigt ein beige Betongebäude auf Mallorca bei Tageslicht, aufgenommen von L’Odyssée Belle.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Auf Mallorca leben bedeutet mehr als Sonne und Meer – Alltag, Behörden und Sprache gehören dazu.
  • Günstige Mietwohnungen sind selten: Für ein modernes Apartment in Palma zahlst du ab ca. 1.200 € monatlich, in ländlichen Regionen ab 800 €.
  • Die schönsten Wohnorte für Auswanderer sind Santa Catalina (Palma), Sóller und Santanyí – aber auch Campos oder Alaró sind echte Geheimtipps.
  • Ohne NIE-Nummer (Número de Identidad de Extranjero) geht offiziell nichts: Beantrage sie frühzeitig bei der Policía Nacional.
  • Viele Vermieter verlangen 2–3 Monatsmieten Kaution und einen Arbeitsvertrag oder Einkommensnachweis – “Schwarz” mieten ist riskant und oft problematisch.
  • Strom, Wasser und Internet sind teurer als auf dem Festland; für gutes WLAN empfiehlt sich meist eine Glasfaserleitung (fibra óptica).
  • Ohne Spanisch oder Mallorquín wird es im Alltag schnell kompliziert – Sprachkenntnisse öffnen Türen bei Ämtern, Nachbarn und Handwerkern.
  • Die Nebensaison (November bis März) ist ideal für Wohnungssuche und Eingewöhnung – im Sommer explodieren Preise und Konkurrenz.
  • Supermärkte wie Mercadona und Agromart bieten einheimische Produkte günstiger als internationale Ketten.
  • Auto unverzichtbar außerhalb von Palma: Ein gebrauchter Kleinwagen kostet auf Mallorca meist 15–20 % mehr als auf dem Festland.
  • Vorsicht bei zu guten Angeboten: Viele “Schnäppchen” entpuppen sich als Ferienvermietungen mit Zeitlimits oder ohne legale Genehmigung.

Warum auf Mallorca leben für viele mehr ist als ein Auswandern auf Zeit

Wer auf Mallorca lebt, merkt schnell: Die Insel ist kein Urlaubsort, sondern ein eigener Kosmos. Das Leben auf Mallorca ist geprägt von jahrhundertealten Traditionen, einem besonderen Zeitgefühl und überraschend bodenständigen Menschen. Die Mallorquiner sind stolz, zurückhaltend – und wenn du dir ihr Vertrauen verdient hast, öffnen sich Türen, die Touristen verschlossen bleiben. Der Alltag hier tickt im Rhythmus der Märkte, Feste und Jahreszeiten. Im Frühling duftet die Luft nach Orangenblüte, im Sommer wird Siesta zur Überlebensstrategie, im Herbst beginnt die Erntezeit, und im Winter pulsiert das wahre Inselleben in den Bars der Dörfer.

Auf Mallorca leben ist ein Balanceakt zwischen mediterraner Gelassenheit und ganz praktischen Herausforderungen: Ämtergänge, Wohnungssuche, Integration, Jobsuche. Wer glaubt, das Leben hier bestehe aus endlosen Strandtagen, merkt spätestens bei der Anmeldung im Rathaus (empadronamiento), dass spanische Bürokratie einen eigenen Charme hat. Doch genau das macht den Inselalltag aus: Wer sich darauf einlässt und nicht alles mit deutschem Maßstab misst, entdeckt eine Lebensqualität, die einzigartig ist. Ein kleiner Tipp: Akzeptiere, dass vieles länger dauert – und genieße die Zeit dazwischen, etwa bei einem Café con leche auf der Plaza.

Die besten Orte zum Wohnen: Wo lebt es sich auf Mallorca wirklich gut?

Die Wahl des Wohnorts ist die vielleicht wichtigste Entscheidung, wenn du auf Mallorca leben möchtest. Palma lockt mit urbanem Flair, internationalen Schulen und einer lebendigen Gastronomieszene, besonders angesagt sind Santa Catalina und Portixol. Hier zahlst du allerdings für ein modernes Apartment (2 Zimmer) schnell 1.200–1.800 € im Monat. Wer es ruhiger mag, findet in Sóller ein charmantes Städtchen zwischen Tramuntana und Meer – der Marktplatz ist Treffpunkt für Einheimische, und die legendäre Bahnverbindung nach Palma macht das Pendeln einfach. Mietpreise starten hier ab ca. 900 € für eine kleine Wohnung.

Noch ursprünglicher ist das Leben im Inselinneren, etwa in Alaró oder Sineu. Hier gibt es authentische Wochenmärkte, weniger Touristen und ein echtes Dorfleben: Nachbarn bringen dir Orangen vorbei, und die Bar Es Passeig in Alaró serviert abends die besten Tapas der Region. In Santanyí im Südosten findest du eine internationale Community, Kunstgalerien und einen der schönsten Wochenmärkte Mallorcas. Geheimtipp: Campos. Immer mehr Deutsche zieht es in das Städtchen, weil hier die Infrastruktur stimmt, aber die Preise (noch) moderat sind. Ab 750 € gibt es kleine Apartments, Fincas kosten je nach Zustand und Lage ab 1.500 €.

Was viele nicht wissen: Die klassische “Finca auf dem Land” ist selten günstig und oft mit viel Eigenarbeit verbunden. Die Nebenkosten sind höher als in der Stadt, und im Winter kann es in alten Häusern ohne gute Heizung unangenehm kühl werden. Wer das echte Inselleben sucht, wird aber gerade in den mallorquinischen Dörfern herzlich aufgenommen – vorausgesetzt, man bringt etwas Geduld und Interesse an der lokalen Kultur mit.

Gebäude mit Palmen vor einem klaren Himmel auf Mallorca, aufgenommen von Felix
Das Foto zeigt ein Gebäude auf Mallorca mit Palmen im Vordergrund, fotografiert von Felix, und vermittelt die typische mallorquinische Umgebung.

Wohnen auf Mallorca: Mietpreise, Kaufpreise und Fallstricke

Auf Mallorca leben war noch nie so gefragt – und das merkt man besonders am Immobilienmarkt. Die Nachfrage nach Mietobjekten übersteigt das Angebot in beliebten Orten deutlich. Gerade in Palma, Portixol, Sóller oder Santa Ponça konkurrieren Einheimische, Festland-Spanier und Ausländer um die besten Wohnungen. Für eine moderne 2-Zimmer-Wohnung in Palma zahlst du im Schnitt 1.200–1.800 € kalt, dazu kommen Nebenkosten von 80–180 € monatlich (Strom, Wasser, Müll). In ländlichen Gegenden oder kleineren Orten starten die Preise ab ca. 800 €, doch die Qualität der Objekte schwankt stark.

Was viele unterschätzen: Die meisten Langzeitmietwohnungen werden möbliert angeboten. Unmöblierte Wohnungen sind selten, und die Nachfrage ist groß – Geduld und ein gutes Netzwerk sind Gold wert. Vorsicht bei Angeboten unter 800 € im Monat: Häufig handelt es sich um Ferienvermietungen mit Zeitlimit, oder das Objekt ist nicht legal als Wohnsitz nutzbar. Tipp: Sprich direkt mit lokalen Maklern, frage in Bars oder auf dem Markt nach – viele Wohnungen wechseln den Besitzer noch “unter der Hand”.

Beim Immobilienkauf explodieren die Preise: In Palma zahlst du für eine moderne Wohnung ab 3.500 € pro Quadratmeter, in Sóller oder Santanyí oft noch mehr. Die Nebenkosten liegen bei 10–12 % des Kaufpreises (Steuern, Notar, Register). Viele Deutsche unterschätzen die laufenden Kosten für Grundsteuer (IBI), Versicherung, Gemeinschaftskosten (Comunidad) und Instandhaltung – vor allem bei alten Fincas. Mein Rat: Lass dich nie von vermeintlichen Schnäppchen blenden, prüfe jedes Objekt auf legale Genehmigungen (cédula de habitabilidad, licencia de primera ocupación) und lass einen unabhängigen Gutachter (perito) das Haus bewerten.

Formalitäten und Behörden: Was du wirklich brauchst, um auf Mallorca zu leben

Der Papierkram ist auf Mallorca ein Kapitel für sich – aber ohne geht nichts. Der erste und wichtigste Schritt: Die NIE-Nummer (Número de Identidad de Extranjero). Ohne sie kannst du weder eine Wohnung mieten noch ein Bankkonto eröffnen oder einen Handyvertrag abschließen. Die NIE beantragst du direkt bei der Policía Nacional, Terminbuchung (cita previa) ist Pflicht, Wartezeiten von 4–8 Wochen sind keine Seltenheit. Unbedingt alle Unterlagen (Pass, Mietvertrag, Antragsformular EX-15) bereithalten und vor Ort auf Spanisch kommunizieren – Englisch wird akzeptiert, aber ein “Por favor” wirkt Wunder.

Als EU-Bürger brauchst du für einen längeren Aufenthalt (länger als 90 Tage) die “residencia” – offiziell das Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión. Damit bist du im Melderegister der Insel erfasst und kannst auch das empadronamiento (Anmeldung im Rathaus) erledigen. Die Anmeldung ist kostenlos und notwendig für alles von der Müllabfuhr bis zur Schulplatzvergabe. Tipp: Viele Gemeinden verlangen einen aktuellen Mietvertrag oder eine Stromrechnung auf deinen Namen. Lass dir immer eine Meldebescheinigung (volante de empadronamiento) ausstellen – du wirst sie häufiger brauchen, als du denkst.

Auch die Eröffnung eines Bankkontos (cuenta bancaria) ist auf Mallorca unkompliziert, aber meist an die Vorlage der NIE und einer Meldebescheinigung gebunden. Gute Erfahrungen gibt es mit lokalen Banken wie CaixaBank oder Bankia – hier gibt es teilweise englischsprachige Berater, doch ein Mindestmaß an Spanischkenntnissen macht vieles einfacher. Was viele nicht wissen: Für Internet, Strom oder Wasserverträge brauchst du fast immer ein spanisches Konto. Plane für alle Behördengänge ausreichend Zeit und Geduld ein – und bringe lieber einen zusätzlichen Nachweis zu viel als zu wenig mit.

Sprache, Integration und das wahre Inselleben: Wie wird man auf Mallorca heimisch?

Auf Mallorca leben heißt: Teil einer Gemeinschaft zu werden, in der Sprache der Schlüssel zu allem ist. Offiziell werden sowohl Spanisch (castellano) als auch Mallorquín (eine Variante des Katalanischen) gesprochen. Im Alltag kommst du mit Spanisch überall zurecht, doch schon ein paar Worte auf Mallorquín (“Bon dia!” für Guten Morgen, “Gràcies!” für Danke) öffnen Herzen und helfen, Vorurteile abzubauen. Viele Einheimische schätzen es, wenn du Interesse an ihrer Sprache und Kultur zeigst – und es ist das beste Mittel gegen das vielzitierte “Inselgefühl” der Isolation.

Wer auf Mallorca heimisch werden will, sollte mehr tun als nur unter Deutschen bleiben. Such dir einen Sprachkurs in Palma (z.B. Escola Oficial d’Idiomes), engagier dich in lokalen Vereinen oder geh regelmäßig auf den Wochenmarkt – hier lernst du nicht nur die Sprache, sondern auch Nachbarn und Händler kennen. Mein Tipp: Viele Dörfer bieten kostenlose Català-Kurse für Zugezogene an, einfach beim Rathaus (ajuntament) nachfragen. Wer offen ist, entdeckt schnell, dass die meisten Mallorquiner neugierig, hilfsbereit und humorvoll sind – sofern du nicht alles besser weißt und ihre Insel respektierst.

Ein oft unterschätzter Integrationshelfer sind die Feste: Ob Sant Sebastià in Palma, die Mandelblüte-Feste in Son Servera oder das Dorffest “Fira” in Sineu – hier trifft sich das wahre Inselleben. Trau dich, mitzumachen, ein Glas Hierbas zu trinken oder beim traditionellen “ball de bot” (Volkstanz) mitzuklatschen. So entstehen Freundschaften, die länger halten als jeder Strandurlaub.

Alltag auf Mallorca: Mobilität, Einkaufen, Kosten und typische Stolperfallen

Der Alltag auf Mallorca ist so vielfältig wie die Insel selbst. Wer in Palma wohnt, kann vieles zu Fuß oder mit dem Bus erledigen – die EMT-Buslinien kosten pro Fahrt 2 €, eine Monatskarte gibt es ab 30 €. Im Umland ist das Auto fast unverzichtbar, denn Zug- und Busverbindungen sind außerhalb der Hauptachse Palma-Inca-Manacor oft spärlich. Gebrauchte Autos sind knapp und teurer als auf dem Festland; für einen alten Kleinwagen zahlst du ab 4.500 €, für einen soliden Kombi 8.000 € und mehr. Mein Spartipp: Überleg, ob Carsharing (z.B. mit “Muvon”) für dich infrage kommt, oder frage im Freundeskreis nach Mitfahrgelegenheiten – das ist auf dem Land ganz normal.

Einkaufen ist auf Mallorca eine Wissenschaft für sich: Während große Ketten wie Carrefour oder Lidl überall vertreten sind, lohnt sich der Blick zu den lokalen Supermärkten wie Agromart oder den Wochenmärkten (mercadillos). Hier gibt es frisches Obst, Käse und Olivenöl direkt vom Bauern – günstiger und besser als im Supermarkt. Viele Expats schwören auf das deutsche Sortiment bei Müller oder Aldi, doch wer sich einlässt, entdeckt die besten Ensaimadas (Insel-Gebäck) bei Pomar in Campos oder die köstlichsten Sobrassada (Paprikawurst) auf dem Markt in Sineu.

Was viele nicht wissen: Die Lebenshaltungskosten auf Mallorca sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Strom kostet im Schnitt 0,32 € pro kWh, Wasser wird nach Verbrauch abgerechnet (Achtung: Pools treiben die Rechnung in die Höhe), und Internet ist besonders schnell und stabil nur mit Glasfaser (fibra óptica) – Tarife ab 30 € im Monat. Viele unterschätzen die Kosten für Müll (tasa de basura), Gemeindeabgaben oder saisonale Ausgaben wie Klimaanlage im Sommer oder Heizung im Winter. Mein Tipp: Kalkuliere mindestens 1.200–1.500 € monatlich für einen einfachen Lebensstil (Miete, Nebenkosten, Auto, Lebensmittel) ein – mit Kindern oder im Südwesten der Insel deutlich mehr.

Vorsicht bei typischen Stolperfallen: Viele Wohnungen werden nur langfristig vermietet, aber Verträge enthalten oft Klauseln für “temporäre Nutzung” – das ist nicht dasselbe wie ein Dauer-Mietvertrag und kann zu Problemen führen. Lass Verträge immer von einem unabhängigen Berater prüfen und zahle keine Kaution im Voraus ohne schriftliche Bestätigung. Wer auf Mallorca leben möchte, sollte auch wissen: “Schwarz” mieten ist riskant – nicht selten stehen plötzlich Feriengäste vor der Tür, weil der Vermieter doppelt vermietet.

Jahreszeiten, Klima und der Rhythmus des Insellebens: Was du einplanen solltest

Der Alltag auf Mallorca wird stark von den Jahreszeiten und dem Klima geprägt. Die Sommer sind heiß, trocken und voller Leben – die Strände, Bars und Märkte sind überfüllt, und die Preise für Miete, Flüge und Restaurants steigen spürbar. Wer flexibel ist, sollte den Umzug auf Mallorca in die Nebensaison legen: Im November bis März ist die Insel angenehm ruhig, die Mietpreise sind niedriger und die Behörden weniger überlastet. Viele Einheimische genießen jetzt die leeren Strände, ausgedehnte Wanderungen in der Tramuntana und gemütliche Abende in den Dorfkneipen.

Im Winter kann es auf Mallorca überraschend kühl werden – besonders in alten Steinhäusern ohne Zentralheizung. Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sind groß, und viele vergessen, dass ein guter Ofen (“chimenea”) Gold wert ist. Im Frühjahr explodiert die Natur: Die Mandelblüte im Februar/März ist ein echtes Highlight, und jetzt finden die schönsten Dorffeste statt. Mein Tipp: Plane deine Wohnung mit Blick auf die Jahreszeiten – Südlage ist im Winter angenehm, im Sommer aber oft zu heiß ohne Klimaanlage.

Wer auf Mallorca lebt, sollte sich auf den Rhythmus der Insel einlassen: Mittags sind viele Geschäfte von 14 bis 17 Uhr geschlossen (Siesta), dafür geht das Leben abends bis spät in die Nacht weiter. Viele Ämter und Banken haben nur vormittags geöffnet. Wer das akzeptiert – und vielleicht die eigene Arbeitszeit flexibel gestaltet – lebt entspannter und bekommt schnell ein Gefühl für das echte Mallorca.

Kultur, Umgangsformen und kleine Insider-Regeln: Wie du dich schnell zurechtfindest

Das Leben auf Mallorca ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Zurückhaltung und einer Prise Humor. Wer freundlich, offen und höflich auftritt, wird schnell akzeptiert – auch ohne perfektes Spanisch. Ein echtes “Bon dia!” am Morgen oder ein kurzes Schwätzchen mit dem Bäcker (“forner”) wirken Wunder. Die Mallorquiner duzen sich meist erst nach längerer Bekanntschaft; im Alltag ist das höfliche “usted” anfangs angebracht. Pünktlichkeit wird geschätzt, aber leichte Verspätungen sind Alltag – besonders bei privaten Treffen oder Handwerkern (“mañana-Mentalität”).

Ein wichtiger kultureller Punkt: Die Insel ist stolz auf ihre Traditionen. Feste, Prozessionen und lokale Märkte sind mehr als nur Folklore – sie sind Teil der Identität. Sei respektvoll bei Fotos oder Besuchen von Kirchen und Dörfern, und kleide dich bei offiziellen Anlässen angemessen. Mein Tipp: Vermeide es, lautstark über Politik oder Geld zu reden – das gilt als unhöflich. Wer sich anpasst und echtes Interesse zeigt, bekommt viel zurück: Einladungen zu Dorffesten, Tipps für geheime Buchten (calas) oder das beste Pa amb oli (Brot mit Olivenöl und Tomaten) im Ort.

Was viele nicht wissen: Auf Mallorca werden viele Geschäfte, Bars und Restaurants familiengeführt – Stammkunden werden bevorzugt behandelt. Wer regelmäßig kommt, wird schnell Teil der “Familia” und bekommt nicht selten einen kleinen Extra-Kaffee (cortado) aufs Haus. Die wichtigsten Wörter im Alltag: “Gràcies” (Danke), “Per favor” (Bitte), “Bé” (Gut) und ganz wichtig: “Salut!” beim Anstoßen.

Insider-Tipps: Wo das echte Leben auf Mallorca pulsiert

Wenn du auf Mallorca leben möchtest, such dir deine Lieblingsorte abseits der Touristenströme. Drei echte Empfehlungen, die auch nach Jahren nicht langweilig werden:

1. Mercat de l’Olivar (Palma): Der wichtigste Markt der Hauptstadt. Hier kaufen nicht nur Einheimische frischen Fisch, Obst und Käse, sondern treffen sich auch Freunde zum Frühstück in der Markthalle. Probier die Tortilla bei Bar Joan Frau – ein Klassiker, der auch nach 40 Jahren unverändert gut ist.

2. Forn i Pastisseria Pomar (Campos): Die beste Ensaimada der Insel, handgemacht nach altem Rezept. Morgens ab 7 Uhr geöffnet, oft stehen Einheimische Schlange. Tipp: Die Variante mit Aprikosen (albercoc) ist ein Gedicht.

3. Mirador de Ses Barques (bei Sóller): Ein Aussichtspunkt mit Blick über das Tal von Sóller und das Meer. Hier sitzen Mallorquiner nachmittags bei Kaffee oder einem Glas Hierbas, genießen den Sonnenuntergang und besprechen das Weltgeschehen – ganz ohne Hektik. Die Bar serviert einfache mallorquinische Gerichte zu fairen Preisen.

Und noch ein echter Insider-Tipp: Die schönsten Calas findest du nicht auf Instagram, sondern, wenn du dich von Einheimischen führen lässt. Frag beim Friseur, beim Bäcker oder im Café nach deren Lieblingsbucht – oft sind es kleine Strände wie Cala Varques oder Es Caragol, die du nur über Schotterwege erreichst und wo selbst im August noch Platz für dein Handtuch ist.

Ein Fahrrad ist neben einem Laden auf Mallorca abgestellt, aufgenommen von Vlad Levkovsky.
Ein Fahrrad vor einem Laden auf Mallorca, fotografiert von Vlad Levkovsky, zeigt das urbane Leben auf der Insel.

Häufige Fehler vermeiden: Was du auf Mallorca lieber lassen solltest

Wer auf Mallorca leben will, sollte nicht den Fehler machen, alles wie in Deutschland zu erwarten. Die Insel hat ihre eigenen Regeln, und manche Stolperfallen sind typisch:

Ferienvermietungen als Wohnsitz: Viele Wohnungen werden im Winter günstig angeboten, im Sommer aber wieder an Touristen vermietet. Achte auf einen langfristigen, im Registro de la Propiedad eingetragenen Vertrag.

Unrealistische Preisvorstellungen: Günstiges Wohnen ist selten, auch auf dem Land. Kalkuliere realistisch und rechne mit höheren Nebenkosten.

Isolation in Expats-Bubble: Wer nur unter Deutschen bleibt, verpasst das echte Inselleben. Trau dich, Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen, auch wenn der Start holprig ist.

Fehlende Sprachkenntnisse: Ohne Spanisch wird der Alltag schnell teuer und umständlich. Investiere in einen Kurs – es lohnt sich mehrfach.

Ämtergänge auf die lange Bank schieben: Die Bürokratie funktioniert langsam, aber zuverlässig – wenn du dranbleibst. Unvollständige Unterlagen bedeuten Wochen Verzögerung.

Mein ehrlicher Rat: Lass dich auf das Inselleben ein. Akzeptiere die Eigenheiten, genieße die kleinen Erfolge – und vergiss nie, dass jeder Tag auf Mallorca ein Geschenk ist, wenn du dich darauf einlässt.

Fazit: Auf Mallorca leben – mehr als ein Traum, wenn du es klug angehst

Auf Mallorca leben ist ein Abenteuer, das mit Offenheit, Geduld und einer Portion Pragmatismus belohnt wird. Die Insel bietet eine Lebensqualität, die ihresgleichen sucht – wenn du bereit bist, dich auf neue Abläufe, Sprachbarrieren und ein anderes Zeitgefühl einzulassen. Mit diesem Guide hast du einen ehrlichen, vollständigen Überblick über alles, was auf Mallorca wirklich zählt: von der Wohnungssuche über Integration bis hin zu den kleinen kulturellen Feinheiten, die das Inselleben prägen. Nimm dir Zeit, die Insel in deinem eigenen Tempo zu entdecken, pflege Kontakte zu Einheimischen und genieße die Vielfalt zwischen Stadt und Land, Bergen und Meer.

Mein persönlicher Tipp: Lass dich nicht von Anfangsschwierigkeiten entmutigen. Die schönsten Momente entstehen oft dann, wenn man das Unerwartete zulässt – und auf Mallorca ist jeder Tag ein bisschen anders als geplant. Wer den Mut hat, auf Mallorca zu leben, wird mit unvergesslichen Erlebnissen, neuen Freundschaften und einem Alltag belohnt, der sich jeden Tag wie ein kleines Stück Urlaub anfühlt. Vielleicht treffen wir uns ja mal beim Café auf der Plaça – la vida mallorquina wartet auf dich.

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