Arbeiten, wo andere Urlaub machen – für viele klingt das nach einem Traum. Doch wer ernsthaft über Arbeit auf Mallorca nachdenkt, sollte mehr wissen als nur, wie man am Playa de Palma einen Mojito bestellt. Hinter der Postkartenidylle verbirgt sich eine ganz eigene Arbeitswelt mit eigenen Regeln, Chancen und Fallstricken. Ob Gastronomie, IT, Immobilien oder kreative Selbstständigkeit: Die Insel bietet weit mehr als Klischees – aber auch mehr Herausforderungen, als viele erwarten. Wer sich auf Mallorca beruflich verwirklichen will, braucht nicht nur Mut, sondern vor allem fundiertes Wissen über lokale Strukturen, Arbeitsrecht, Netzwerke und die unausgesprochenen Spielregeln. In diesem Artikel bekommst du keine ausgeleierten Auswanderer-Floskeln, sondern tiefeinsichtige Tipps aus erster Hand, inklusive Insiderwissen, ehrlichen Warnungen und praktischen Empfehlungen. Und zugegeben: Meine erste Jobsuche auf Mallorca verlief anders als gedacht – doch was ich daraus gelernt habe, bleibt dir nach dieser Lektüre hoffentlich erspart.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Arbeit auf Mallorca ist möglich – aber die Konkurrenz ist groß und das Lohnniveau oft niedriger als auf dem Festland.
- Wer ohne Spanischkenntnisse kommt, hat es schwer – Grundkenntnisse sind in fast allen Branchen Pflicht, Mallorquín ist in Behörden ein Plus.
- Saisonalität prägt viele Jobs: Die Hauptsaison läuft von April bis Oktober, in der Nebensaison sind viele Stellen rar.
- Gastronomie, Bau, Immobilien, Tourismus und IT sind die wichtigsten Arbeitsbereiche für Ausländer – aber auch Handwerk und Pflege bieten Chancen.
- Ein NIE (Número de Identificación de Extranjero) ist zwingend erforderlich, um legal arbeiten zu können – Terminvereinbarung oft Wochen im Voraus nötig.
- Das Durchschnittsgehalt liegt bei etwa 1.200–1.500 Euro netto pro Monat, Fachkräfte können mehr verdienen, aber Wohnkosten sind hoch.
- Viele Jobs werden über persönliche Kontakte vergeben – Netzwerken (z. B. bei lokalen Stammtischen oder in Facebook-Gruppen) ist Gold wert.
- Bei Arbeitsverträgen immer auf Details achten: Probezeiten, Befristungen und Sozialversicherungsbeiträge sind nicht verhandelbar.
- Vorsicht vor unseriösen Angeboten: „Cash in Hand“, Schwarzarbeit oder dubiose Vermittler führen oft in die Sackgasse.
- Im Winter bieten Sprachschulen, Remote-Jobs und saisonale Projekte Alternativen zur klassischen Saisonarbeit.
- Die Lebenshaltungskosten auf Mallorca sind höher als viele erwarten – preiswerte Orte zum Wohnen sind z. B. Inca, Sa Pobla oder Manacor.
- Behördenwege dauern länger als in Deutschland – Geduld und ein bisschen Humor sind die besten Begleiter.
Wie funktioniert Arbeit auf Mallorca wirklich? Die wichtigsten Grundlagen
Arbeit auf Mallorca ist mehr als ein Jobwechsel mit Meerblick – es ist der Einstieg in ein eigenes kulturelles und wirtschaftliches Ökosystem. Die Insel lebt von ihrer Internationalität, aber auch von tief verwurzelten lokalen Strukturen. Wer sich hier seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, muss wissen, wie der Arbeitsmarkt tickt, welche Voraussetzungen gelten und welche Branchen überhaupt offen für Neueinsteiger sind.
Die wichtigste Grundregel: Ohne die NIE-Nummer (Número de Identificación de Extranjero) läuft gar nichts. Sie wird für jeden Arbeitsvertrag, jede Selbstständigkeit, jede Kontoeröffnung und sogar für den Handyvertrag benötigt. Wer sie beantragen will, muss rechtzeitig einen Termin bei der Policía Nacional vereinbaren – in Palma meist Wochen im Voraus. Tipp: In kleineren Orten wie Manacor oder Inca bekommt man oft schneller einen Slot.
Die meisten Jobs auf Mallorca sind saisonal geprägt. In der Hochsaison (April bis Oktober) herrscht Hochbetrieb, besonders in Gastronomie, Hotellerie und Tourismus. Im Winter dagegen schließen viele Betriebe, nur wenige bieten ganzjährige Beschäftigung. Wer eine dauerhafte Anstellung sucht, sollte sich rechtzeitig bewerben – viele Verträge werden schon im Januar oder Februar für die kommende Saison vergeben.
Die Gehälter auf Mallorca sind im Vergleich zu Deutschland eher niedrig, während die Lebenshaltungskosten (besonders die Mieten) in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind. Ein realistischer Blick auf das eigene Budget ist deshalb unerlässlich. Ein Zimmer in Palma kostet schnell 500–700 Euro monatlich, in ländlichen Regionen wie Sa Pobla oder Sineu kann man günstiger wohnen.
Ein typischer Anfängerfehler: Zu glauben, Englisch reicht aus. Im Arbeitsleben wird fast überall Spanisch vorausgesetzt, Mallorquín ist besonders im öffentlichen Dienst und im Alltag ein echter Türöffner. Wer die Sprache nicht spricht, sollte spätestens nach der Ankunft einen Intensivkurs machen – gute Sprachschulen gibt es beispielsweise in Palma (z. B. „International House“) oder Inca.
Welche Jobs gibt es auf Mallorca? Branchen, Chancen & Insider-Tipps
Die Arbeitswelt auf Mallorca ist bunt gemischt – und doch gibt es klare Schwerpunkte. Wer aus Deutschland kommt, landet oft in einer der folgenden Branchen: Gastronomie & Hotellerie, Immobilien, Bau, Tourismus, Dienstleistungen oder zunehmend auch im digitalen Bereich (IT, Remote-Arbeit).
Die Gastronomie ist nach wie vor der größte Arbeitgeber für Ausländer. Kellner, Köche, Barkeeper und Servicekräfte werden fast das ganze Jahr gesucht, besonders in bekannten Orten wie Palma, Port d’Andratx oder Cala Ratjada. Aber: Viele Jobs sind befristet, die Arbeitszeiten lang, und das Trinkgeld schwankt stark.
Ein echter Geheimtipp für ganzjährige Beschäftigung sind Bäckereien wie „Panadería San Francisco“ in Palma oder familiengeführte Cafés im Inselinneren, zum Beispiel in Santa Maria del Camí. Hier wird oft Personal gesucht, das sich in den Alltag integriert und nicht nur eine Saison bleibt.
Im Immobiliensektor boomt das Geschäft, besonders in Palma, Portals Nous und Sóller. Deutschsprachige Makler werden von Firmen wie „Engel & Völkers“, „Kühn & Partner“ oder „First Mallorca“ regelmäßig gesucht. Wer selbst Makler werden will, braucht allerdings Geduld: Ohne lokale Kontakte und Sprachkenntnisse geht wenig. Die besten Chancen hat, wer flexibel, kommunikativ und bereit ist, sich auf die mallorquinische Mentalität einzulassen.
Der Bausektor ist ein weiterer starker Bereich, vor allem für Handwerker, Elektriker, Fliesenleger und Sanitär-Spezialisten. Viele Deutsche haben hier eigene Firmen gegründet, etwa in Santa Ponça oder Alcúdia. Aber Achtung: Die spanischen Bauvorschriften sind streng, und ohne entsprechende Genehmigungen („licencia de obra“) drohen hohe Bußgelder.

Weniger bekannt: Pflegekräfte und Betreuer werden auf Mallorca händeringend gesucht. Private Pflegedienste, etwa „Curare Mallorca“ oder „Mallorca Seniorenbetreuung“, bieten Jobs mit sozialversicherungspflichtigen Verträgen – ideal für Menschen mit Erfahrung und Herz.
Die digitale Szene wächst langsam, aber stetig: Viele Remote-Worker, Webdesigner oder Social-Media-Manager leben inzwischen auf Mallorca. Ein flexibler Arbeitsplatz ist das „The Hub“ in Santa Catalina, Palma, wo man Co-Working-Spaces und Networking-Events findet – perfekt, um Kontakte zu knüpfen oder eigene Projekte zu starten.
Welche Voraussetzungen muss ich für Arbeit auf Mallorca erfüllen?
Die formellen Hürden für Arbeit auf Mallorca sind überschaubar, aber ohne Vorbereitung kaum zu meistern. Zentrale Voraussetzung ist die NIE-Nummer – sie muss vor Jobantritt beantragt werden und wird für alle bürokratischen Vorgänge benötigt. Die Beantragung erfolgt bei der Policía Nacional, mit Reisepass oder Personalausweis, Antragsformular und Begründung (z. B. Arbeitsvertrag oder Mietvertrag). Die Wartezeiten können mehrere Wochen betragen – wer früh plant, ist klar im Vorteil.
Ein weiteres Muss ist die Sozialversicherung („Seguridad Social“). Jeder, der auf Mallorca arbeitet, muss angemeldet sein – der Arbeitgeber übernimmt das in der Regel, aber Kontrolle schadet nie. Bei Selbstständigkeit („autónomo“) muss man sich selbst anmelden und monatliche Beiträge zahlen, diese liegen aktuell bei ca. 320–350 Euro pro Monat (Stand 2024). Achtung: Wer als „falso autónomo“ (formal selbstständig, aber eigentlich angestellt) arbeitet, riskiert hohe Strafen – hier kennen die Behörden kein Pardon.
Sprachkenntnisse sind ein unterschätzter Schlüssel zum Erfolg. Ohne Spanisch läuft wenig, und Mallorquín wird in vielen Gemeinden gesprochen (z. B. in Artà, Sineu oder Felanitx). Wer sich Mühe gibt, ein paar mallorquinische Floskeln zu lernen („Bon dia“, „Moltes gràcies“), gewinnt schnell Sympathiepunkte. Im Behördenalltag ist Spanisch Pflicht, auf dem Dorf hilft ein freundlicher Gruß im lokalen Dialekt oft weiter als jedes Dokument.
Ein spanisches Bankkonto ist für den Gehaltseingang unerlässlich. Banken wie „CaixaBank“, „Banco Sabadell“ oder „Bankinter“ sind überall vertreten. Ein Konto lässt sich meist mit NIE und Ausweis eröffnen – manche Banken verlangen eine Meldebescheinigung („certificado de empadronamiento“), die man im Rathaus („ajuntament“) des Wohnortes bekommt.
Wie finde ich seriöse Jobs auf Mallorca? Tipps gegen Abzocke und Zeitverschwendung
Viele Jobs auf Mallorca werden über persönliche Netzwerke vergeben – klassische Bewerbungen sind selten erfolgreich. Wer neu auf der Insel ist, sollte sich früh in lokale Facebook-Gruppen („Jobs & Networking Mallorca“, „German Speakers Mallorca“) oder bei Stammtischen wie im „El Molino“ in Santa Catalina, Palma, umsehen. Viele Arbeitgeber schalten keine Anzeigen, sondern fragen direkt im Bekanntenkreis oder in den Gruppen nach.
Eine zuverlässige Adresse für seriöse Stellenangebote ist das „SOIB“ (Servicio de Ocupación de las Illes Balears), das offizielle Arbeitsamt. Hier gibt es auch Beratungen und Bewerbungshilfen auf Deutsch, Spanisch und Englisch. Auch deutsche Unternehmen wie „Engel & Völkers“, „Iberostar“ oder „Robinson Club“ haben eigene Jobportale für die Insel.
Vorsicht ist geboten bei Angeboten ohne Arbeitsvertrag, „Cash in Hand“-Arrangements oder Vermittlern, die hohe Gebühren verlangen. Besonders in der Gastronomie und im Baugewerbe werden immer wieder Jobs angeboten, bei denen keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden – das ist illegal und kann zu erheblichen Nachteilen führen (kein Schutz im Krankheitsfall, kein Anspruch auf Arbeitslosengeld).
Ein ehrlicher Tipp: Lass dich nicht von vermeintlichen Traumjobs blenden, die zu gut klingen, um wahr zu sein. Seriöse Arbeitgeber bestehen auf einem legalen Vertrag („contrato laboral“) und melden dich ordnungsgemäß bei der Seguridad Social an. Im Zweifelsfall lohnt ein Blick auf die Bewertungen bei Google oder in lokalen Foren – schwarze Schafe sind auf Mallorca bekannt und werden oft namentlich erwähnt.
Wer als Selbstständiger arbeiten will, sollte sich vorab gut beraten lassen – etwa bei der deutschen Anwaltskanzlei „Balcells Group“ in Palma oder bei der „Cámara de Comercio“ (Industrie- und Handelskammer). Hier erfährt man auch, welche Steuern fällig werden und wie man Fördermittel beantragt.
Was kostet das Leben auf Mallorca wirklich? Gehälter, Mieten und Spartricks
Die Lebenshaltungskosten auf Mallorca werden häufig unterschätzt – besonders von Neuankömmlingen, die aus Deutschland kommen. Die Mieten in Palma und den beliebten Küstenorten wie Santa Ponsa, Portals Nous oder Alcúdia sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Für ein einfaches Apartment in Palma sind mindestens 900–1.200 Euro pro Monat einzuplanen, ein WG-Zimmer kostet meist zwischen 400 und 700 Euro. Deutlich günstiger ist das Leben im Inselinneren: Inca, Sa Pobla, Sineu oder Manacor bieten noch Wohnungen ab 600 Euro monatlich.
Die Gehälter spiegeln die Lebenshaltungskosten leider nicht immer wider: In der Gastronomie oder im Einzelhandel liegen sie meist bei 1.200–1.500 Euro netto, Fachkräfte in IT, Bau oder Immobilien kommen auf 1.800–2.500 Euro. Wer als Selbstständiger arbeitet, muss die „autónomo“-Beiträge und eine eigene Krankenversicherung einrechnen. Tipp: Wer sparen will, sollte auf lokale Märkte (z. B. „Mercat de l’Olivar“ in Palma oder der Wochenmarkt in Sineu) setzen und die günstigen Mittagsmenüs („menú del día“, meist 12–15 Euro) in kleinen Restaurants probieren.
Ein echter Spartrick: Viele Bars und Cafés bieten in der Nebensaison Sonderpreise für Locals („precios para residentes“). Einfach freundlich nachfragen – manche Lokale geben 10–20% Rabatt, wenn man sich als Inselbewohner ausweist. Auch Bus- und Bahnfahrten sind mit der „Tarjeta Intermodal“ deutlich günstiger.
Ein kritischer Punkt: Die Krankenversicherung. Wer angestellt ist, ist automatisch gesetzlich versichert. Wer als Selbstständiger arbeitet, muss sich entweder privat versichern (z. B. bei „Sanitas“ oder „DKV España“) oder freiwillig in die gesetzliche Kasse einzahlen. Die private Krankenversicherung kostet je nach Alter und Leistungen etwa 50–150 Euro pro Monat.
Wie ist das Arbeitsklima auf Mallorca? Kultur, Mentalität & Etikette
Die Arbeitswelt auf Mallorca ist von Herzlichkeit, aber auch von klaren Hierarchien geprägt. Pünktlichkeit ist wichtig, aber die typisch deutsche Gründlichkeit wird auf der Insel oft als Überkorrektheit wahrgenommen. Ein freundliches „Bon dia“ (Mallorquín für „Guten Tag“) öffnet viele Türen – und ein gemeinsamer Café con leche in der Pause ist mehr als nur Kaffeetrinken: Hier werden oft die wichtigsten Infos ausgetauscht.
Ein kultureller Unterschied, den viele Deutsche unterschätzen: Entscheidungen dauern länger, und Absprachen sind oft eher Richtlinie als Gesetz. „Mañana, mañana“ ist kein Mythos, sondern Teil der Lebensart. Wer sich darauf einstellt, vermeidet Frust – und lernt, dass Geduld auf Mallorca tatsächlich eine Tugend ist.
Im Arbeitsalltag wird Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt, besonders in Gastronomie, Hotellerie und bei Kundenkontakt. In vielen Unternehmen gilt eine informelle, aber respektvolle Ansprache, oft per „tú“ statt „usted“. Wer unsicher ist, fragt einfach nach – die meisten Mallorquiner schätzen ehrliches Interesse an ihren Gewohnheiten.
Ein wichtiger Etikette-Tipp: Auf Mallorca duzt man sich schnell, aber am ersten Tag ist das „usted“ (Sie) im Zweifel die sichere Wahl. Und: Wer sich für die lokale Kultur interessiert, sollte die wichtigsten Feiertage kennen, etwa „Sant Sebastià“ (Januar in Palma), „Festa de Sant Joan“ (Juni, besonders in Ciutadella) oder den „Día de las Islas Baleares“ (1. März). An diesen Tagen ruht oft das öffentliche Leben – und ein gemeinsames Festessen im Kollegenkreis ist die perfekte Gelegenheit, echte Freundschaften zu schließen.
Wann und wo lohnt sich die Jobsuche besonders? Saisonale & regionale Besonderheiten
Die beste Zeit für die Jobsuche auf Mallorca ist der Winter und das frühe Frühjahr: Viele Arbeitgeber suchen bereits ab Januar nach Personal für die kommende Saison. Besonders in der Hotellerie und Gastronomie werden Stellen für April bis Oktober frühzeitig vergeben. Wer später kommt, hat es schwerer – die besten Jobs sind dann oft schon weg.
Im Sommer gibt es viele kurzfristige Aushilfsjobs, besonders in den Touristenhochburgen wie Cala Millor, Magaluf oder Can Picafort. Doch Vorsicht: Die Arbeitsbedingungen sind hier selten optimal, und die Fluktuation ist hoch. Wer langfristig bleiben will, sollte sich im Inselinneren oder in Palma umsehen – hier gibt es mehr ganzjährige Stellen, etwa in der Verwaltung, im Handel oder bei internationalen Firmen.
Ein echter Insider-Tipp: Im Nordwesten, rund um Sóller, Deià und Valldemossa, sind viele kleine, familiengeführte Betriebe das ganze Jahr aktiv – von traditionellen Restaurants bis zu Biofincas. Wer hier arbeitet, taucht tief in die lokale Kultur ein und hat oft deutlich entspanntere Arbeitszeiten als an der Küste.
Im Winter bieten sich Alternativen wie Sprachunterricht, Nachhilfe, Online-Jobs oder Projektarbeit (z. B. Renovierungen, Eventplanung) an. Die Nachfrage nach kreativen Dienstleistungen steigt, und viele Einheimische nutzen die Nebensaison für Fortbildungen oder Umbauten – hier entstehen immer wieder temporäre Jobs.
Ein Warnhinweis: In den Monaten November bis Februar schließen viele Hotels, Bars und Geschäfte komplett. Wer dann kommt, sollte finanziell vorbereitet sein oder flexibel auf Remote-Arbeit umsteigen. Die meisten Deutschen unterschätzen, wie ruhig die Insel im Winter wirklich ist – aber genau das macht sie für viele erst richtig lebenswert.
Was sollte ich beim Arbeitsvertrag auf Mallorca beachten? Rechte, Pflichten & Fallen
Arbeitsverträge auf Mallorca folgen dem spanischen Arbeitsrecht („Estatuto de los Trabajadores“), das einige Besonderheiten kennt. Die üblichsten Vertragsformen sind der unbefristete Vertrag („contrato indefinido“) und der befristete Saisonvertrag („contrato temporal“). In der Gastronomie und im Tourismus sind befristete Verträge mit klarer Laufzeit Standard – hier lohnt ein genauer Blick auf Kündigungsfristen, Probezeit (meist 2–6 Monate) und Urlaubsanspruch (gesetzlich 30 Tage pro Jahr).
Wichtig: Jeder Vertrag muss schriftlich fixiert und mit der Sozialversicherung gemeldet werden. Schwarzarbeit („trabajo en negro“) ist verbreitet, aber riskant – im Krankheitsfall oder bei einem Unfall gibt es keinen Schutz, und hohe Geldstrafen drohen. Seriöse Arbeitgeber halten sich an die gesetzlichen Vorgaben, zahlen pünktlich und geben eine Lohnabrechnung („nómina“) heraus. Wer mehrere Monate keinen Vertrag bekommt, sollte dringend nachhaken oder das Angebot ablehnen.
Ein weiterer Fallstrick: Viele Verträge sind scheinbar „flexibel“, tatsächlich aber einseitig zu Gunsten des Arbeitgebers gestaltet. Besonders bei Überstunden, Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) und Pausenzeiten lohnt es sich, die Details zu klären. Der Mindestlohn („salario mínimo interprofesional“) liegt aktuell bei 1.134,00 Euro brutto pro Monat (Stand 2024) – alles darunter ist illegal.
Wer Probleme hat, kann sich an die Gewerkschaft „UGT“ oder an das Deutsche Konsulat in Palma wenden. Auch die „Inspección de Trabajo“ (Arbeitsinspektion) ist für Beschwerden zuständig – hier wird anonym und schnell geholfen.
Ein letzter Tipp: Bei Arbeitsunfällen sofort den Arbeitgeber informieren und ein „parte de accidente“ (Unfallprotokoll) verlangen. Die gesetzliche Unfallversicherung („mutua“) übernimmt dann die Kosten – aber nur, wenn alles korrekt gemeldet wurde.
Selbstständig machen auf Mallorca: Chancen, Risiken & Insider-Hinweise
Selbstständigkeit („autónomo“) ist auf Mallorca eine attraktive Option – aber kein Selbstläufer. Wer ein eigenes Geschäft, eine Agentur oder ein Café eröffnen will, muss sich auf viel Bürokratie, hohe Anfangskosten und eine teils zähe Kundenakquise einstellen. Die monatlichen Sozialversicherungsbeiträge (rund 320–350 Euro, Stand 2024) fallen auch ohne Einkommen an.
Ein handfester Vorteil: In Spanien gibt es eine „Tarifa Plana“ für Neugründer – in den ersten 12 Monaten zahlen sie nur rund 80 Euro Sozialversicherung. Danach steigt der Beitrag schrittweise an. Für die Anmeldung reicht die NIE-Nummer, eine Adresse und der Gang zur Steuerbehörde („Agencia Tributaria“).
Gute Geschäftsideen sind Dienstleistungen für Residenten (z. B. Relocation-Services, Übersetzungen, Hausverwaltung), Handwerksbetriebe oder kreative Projekte rund um Events, Kunst oder Gastronomie. Besonders gefragt sind Spezialisten, die deutsche Qualität mit lokaler Flexibilität verbinden – etwa bei Renovierungen, Gartenpflege oder exklusiven Touren.
Ein echter Insider-Tipp: Wer sich selbstständig machen will, sollte sich früh mit anderen „autónomos“ vernetzen – zum Beispiel beim monatlichen Stammtisch im „La Juanita“ in Palma oder über die Facebook-Gruppe „Selbstständig auf Mallorca“. Hier werden viele Fragen beantwortet, und oft entstehen daraus Kooperationen oder neue Aufträge.
Ein echter Fehler, den viele machen: Die Bürokratie zu unterschätzen. Ohne eine gute „gestoría“ (Steuerberater), etwa „Gestoría Alemany“ in Palma, verliert man schnell den Überblick. Die Beratung ist ihr Geld wert – besonders, wenn es um Steuern, Buchhaltung und Anmeldungen geht.

Fazit: Arbeit auf Mallorca – Traum, Herausforderung und Lebenskunst zugleich
Arbeit auf Mallorca ist mehr als ein mutiger Schritt ins Ungewisse – es ist die Chance, Beruf und Lebensqualität auf eine neue Ebene zu bringen. Wer sich gut vorbereitet, die lokalen Regeln respektiert und offen für Neues bleibt, hat beste Karten, auf der Insel nicht nur zu überleben, sondern wirklich anzukommen. Die Mischung aus spanischer Lebensfreude, mallorquinischer Bodenständigkeit und internationalem Flair macht den Arbeitsalltag einzigartig – aber auch anspruchsvoll. Mein wichtigster Rat: Netzwerke aktiv, lerne die Sprache, scheue dich nicht vor Behördenwegen und rechne mit Überraschungen, die so nur auf Mallorca passieren können. Wenn du diese Grundhaltung mitbringst, stehen dir auf Mallorca viele Türen offen – manchmal sogar solche, von denen du bisher nicht einmal wusstest, dass es sie gibt. Viel Erfolg und vielleicht sieht man sich ja bald beim Café con leche – oder beim nächsten Jobangebot auf dieser wunderbaren Insel.







