Wer auf Mallorca nach einer Wanderung sucht, die noch nicht von Selfie-Sticks und Flipflops überrannt ist, landet früher oder später beim Coll de Biniamar. Die “Wanderung Coll de Biniamar” führt dich nicht nur durch eine der stillsten Ecken der Serra de Tramuntana, sondern auch mitten hinein in jahrhundertealte Olivenhaine, verlassene Steinhütten und den würzigen Duft von wildem Rosmarin. Schon beim ersten Mal, als ich diesen Pass überquerte, war ich überrascht, wie schnell man hier dem Alltag entfliehen kann – und wie wenig darüber geschrieben steht. Wer wissen will, was diese Route so besonders macht, welche Fehler man besser vermeidet und wie man sie wirklich genießt, bekommt hier den ehrlichen, lokalen Rundumblick. Kein Werbegeschwätz, sondern echte Empfehlungen, praktisches Insiderwissen und all die kleinen Details, die man auf Mallorca eben nur erfährt, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. Versprochen: Nach diesem Artikel bist du bestens vorbereitet, um den Coll de Biniamar auf eigene Faust und mit echter Freude zu entdecken.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Wanderung Coll de Biniamar ist eine mittelschwere, wenig frequentierte Route im Herzen der Serra de Tramuntana auf Mallorca.
- Startpunkt ist meist das Dorf Biniamar; ausreichend Parkplätze gibt es rund um die Plaça Major (kostenlos, aber ab 10 Uhr füllt es sich).
- Gesamtlänge der Wanderung: ca. 10 km, Zeitaufwand etwa 3 bis 4 Stunden (ohne große Pausen).
- Beste Jahreszeit: Februar bis Mai und Oktober bis Anfang Dezember – im Hochsommer zu heiß, im Winter kann es rutschig werden.
- Kaum Beschilderung: GPS-Track dringend empfohlen oder vorab ausgedruckte Karte mitnehmen.
- Wasser und Verpflegung selbst mitbringen, es gibt unterwegs keinerlei Versorgungsmöglichkeiten.
- Highlight: Der Coll de Biniamar-Pass auf 520 Metern mit Panoramablick Richtung Tossals Verds, AlarĂł und das Pla de Mallorca.
- Typische Fehler: Private Fincas und Schranken werden häufig falsch passiert – unbedingt die offiziellen Wege respektieren (Respekt vor “Finca privada”-Schildern).
- Empfehlung für eine urige Einkehr nach der Tour: Ca’s Puput in Biniamar, bekannt für “Pa amb Oli” und mallorquinischen Wein.
- Lokaler Tipp: Am Wochenende meiden, wenn Jagdsaison (“caza”) ist – ab Oktober an manchen Tagen Schüsse möglich.
- Kultureller Hinweis: In Biniamar und Umgebung wird oft MallorquĂn gesprochen, ein freundlicher “Bon dia” öffnet TĂĽren.
Wanderung Coll de Biniamar: Was macht diese Route so besonders?
Die Wanderung Coll de Biniamar ist ein echter Geheimtipp unter den Wegen auf Mallorca: keine überlaufenen Pfade, keine lauten Ausflugsgruppen, sondern eine Landschaft wie aus einer anderen Zeit. Der Pass selbst – der Coll – verbindet die Dörfer Biniamar und Binibona über einen alten Steinweg, der jahrhundertelang von Hirten und Bauern genutzt wurde. Hier begegnet man mehr Ziegen als Menschen, und die einzigen Geräusche sind meist das Rauschen des Windes und das Zirpen der Grillen.
Was viele nicht wissen: Die Route verläuft durch ein Gebiet, das voller Relikte aus der Zeit der Schneesammler (“neuers”) steckt. Wer genau hinsieht, entdeckt alte Schneehäuser, sogenannte “cases de neu”, und Mauern, die einst den Schnee für die Sommermonate konservierten. Diese historischen Spuren machen die Wanderung Coll de Biniamar zu mehr als nur einer sportlichen Herausforderung – sie wird zur Zeitreise. Praktisch: Die Strecke ist abwechslungsreich und bietet von trockenen Steintreppen über dichte Steineichenwälder bis hin zu weiten Ausblicken alles, was das Wanderherz begehrt. Für Fotografen lohnt es sich, den Sonnenstand im Auge zu behalten: Am späten Vormittag leuchtet das Tal golden, während nachmittags die Felsen dramatisch in Szene gesetzt werden.
Startpunkt Biniamar: Anreise, Parken und erste Orientierung
Biniamar liegt unauffällig zwischen Lloseta und Selva und wird gerne übersehen – zum Glück für alle, die es ruhig mögen. Die Anfahrt erfolgt am besten mit dem Auto: Von Palma aus ist man in knapp 30 Minuten da, die letzten Kilometer führen über schmale Landstraßen, vorbei an Orangenplantagen und Mandelbäumen. Parken kann man im Ortskern, am besten nahe der Kirche Sant Teòdor (Plaça Major). Hier gibt es zwar keine Parkautomaten, aber bitte den “Vado Permanente”-Schildern Respekt zollen – das sind private Einfahrten.
Ein wichtiger Tipp, den viele Besucher übersehen: Es gibt keinerlei öffentliche Toiletten im Dorf, und auch die Bars öffnen oft erst ab 10 Uhr. Wer früh startet, sollte sich also vorher organisieren. Direkt am Dorfplatz findet sich eine kleine Infotafel zur Serra de Tramuntana, aber keine spezifischen Hinweise zur Wanderung Coll de Biniamar – deshalb ist eine Offline-Karte (z.B. Komoot oder ein ausgedruckter Track) Gold wert.
Bereits beim Losgehen spĂĽrt man das authentische Dorfleben: Alte Männer, die auf der Bank “xerren” (mallorquĂn fĂĽr “plaudern”), und Kinder, die am Brunnen spielen. Wer freundlich grĂĽĂźt (“Bon dia!”), erntet meist ein Lächeln – höflicher Umgang wird hier geschätzt.
Die Route: Wegbeschreibung, Highlights und Stolperfallen
Die klassische Wanderung Coll de Biniamar startet am Ortsausgang Richtung Osten, vorbei an der Kirche und der alten Schule. Nach wenigen Minuten verlässt man das Dorf und gelangt auf einen schmalen, gepflasterten Weg (Cami Vell de Biniamar), der sich serpentinenartig durch Olivenhaine und Steineichenwälder zieht. Die Steigung ist moderat, aber stetig – gutes Schuhwerk ist Pflicht, besonders nach Regenfällen sind die Steine rutschig.
Nach etwa 45 Minuten erreicht man die ersten “cases de neu”, halb verfallene Schneehäuser, die zwischen moosbedeckten Felsen liegen. Hier lohnt sich eine kurze Pause, nicht nur wegen der Geschichte: Die Aussicht auf die Ebene Richtung Inca ist spektakulär. Weiter geht es durch einen kurzen Abschnitt mit Trockensteinmauern (“marges”), typisch für die traditionellen mallorquinischen Terrassen. Achtung: Immer wieder zweigen kleine Pfade ab – unbedingt den Hauptweg nehmen und sich nicht von alten, verblassten Markierungen verwirren lassen. Ein häufiger Fehler: Manche Wanderer landen versehentlich auf Privatwegen, die zu Fincas führen. Schilder wie “Finca privada” oder “Propietat privada” sind ernst zu nehmen, hier drohen nicht nur Ärger mit den Besitzern, sondern auch Hunde.
Der finale Anstieg zum Coll de Biniamar zieht sich durch einen schattigen Steineichenwald. Hier begegnet man manchmal Jägern (besonders ab Oktober), die auf Kaninchen oder Wildschweine (“porc senglar”) aus sind. Mein Tipp: An Jagdtagen (meist Samstagvormittag) lieber auf eine andere Route ausweichen oder eine Warnweste tragen. Am Pass angekommen, wird man mit einem 360-Grad-Blick belohnt: Von den Gipfeln des Puig de sa Creu bis zum Kloster Lluc reicht das Panorama. Wer Glück hat, sieht sogar Gänsegeier (“voltor negre”) majestätisch kreisen.

Praktische Tipps: AusrĂĽstung, Proviant und Orientierung
Obwohl die Wanderung Coll de Biniamar technisch nicht anspruchsvoll ist, sollte man sie nicht unterschätzen. Das Gelände ist steinig, und im Sommer kann es gnadenlos heiß werden. Ein Liter Wasser pro Person ist das absolute Minimum, besser sind 1,5 bis 2 Liter. Schattenplätze gibt es zwar, aber längere Abschnitte verlaufen offen. Sonnenhut, Sonnencreme und bei allergieanfälligen Personen eine Zeckenzange sind empfehlenswert – besonders im Frühjahr, wenn das Gras hoch steht.
Für die Rast bietet sich das Plateau am Coll selbst an; hier kann man auf einem der Felsen sitzen und die Aussicht genießen. Wer ein Picknick plant, sollte auf Müllvermeidung achten: Es gibt keine Mülleimer unterwegs – Müll also immer wieder mit nach Biniamar nehmen. Für Verpflegung eignet sich “Pa amb Oli” (Brot mit Olivenöl, Tomate und Schinken/Käse) aus der Bäckerei des Ortes, die ab 7:30 Uhr geöffnet ist (Adresse: Carrer Major 3, Biniamar). Mein Geheimtipp: In der Bäckerei gibt es manchmal noch “Cocarroi” (gefüllte Teigtaschen mit Gemüse) – ein typisch mallorquinischer Snack, der lange vorhält.
Wichtig für die Orientierung: Die Beschilderung ist lückenhaft. Wer sich unsicher ist, sollte sich vorab den GPS-Track auf’s Handy laden, etwa von “Wikiloc” oder “Komoot”. Achtung: Im oberen Bereich kann das Handy-Netz schwach sein – Offline-Modus aktivieren!
Natur, Geschichte und Kultur entlang der Strecke
Die Wanderung Coll de Biniamar führt nicht nur durch abwechslungsreiche Natur, sondern ist auch ein stiller Zeuge der mallorquinischen Geschichte. Die alten Schneehäuser, von denen einige erhalten sind, erzählen vom harten Leben der “nevaters”, die bis ins 19. Jahrhundert Schnee sammelten, pressten und im Sommer an die Küste verkauften. Wer hier im Frühjahr unterwegs ist, kann die Überreste der Schneekammern mit ihren dicken Steinwänden bestaunen – oft von wilden Kräutern überwuchert.
Botanisch bietet die Route jede Menge: Neben uralten Olivenbäumen (“oliveres velles”) wachsen hier Steineichen, Erdbeerbäume (“arboç”), und im März blühen wilde Narzissen. Nicht selten begegnet man auf dem Weg einer Schafherde, begleitet von den typischen Glöckchen. Ein echtes Highlight ist der Frühling, wenn das Tal von Biniamar in sattem Grün leuchtet und die Mandelblüte für ein Farbspektakel sorgt.
Kulturell ist Biniamar eine Welt fĂĽr sich. Viele der Familien hier sprechen im Alltag MallorquĂn; als Besucher freut man sich ĂĽber ein freundliches “Bon dia” oder “AdĂ©u” beim Abschied. Der Zusammenhalt im Dorf ist stark, und Traditionen wie die “Festa de Sant Teòdor” im September bieten einen authentischen Einblick ins lokale Leben – ein Erlebnis, das weit entfernt ist vom touristischen Trubel der KĂĽste.
Gefahren, Fehler und was man besser bleiben lässt
Auch wenn die Wanderung Coll de Biniamar keine alpine Expedition ist, lauern einige Fallen, die vor allem Ortsunkundige treffen. Der größte Fehler: Die Route quert mehrere Privatgrundstücke, die nicht immer klar markiert sind. Wer nicht aufpasst, steht schnell vor verschlossenen Toren oder wird von bellenden Hunden begrüßt. Mein Tipp: Immer auf den Hauptwegen bleiben, keine Zäune übersteigen und Schilder respektieren. Im Zweifelsfall lieber einen kleinen Umweg in Kauf nehmen – die Einheimischen betrachten ihr Land mit Stolz und wenig Toleranz für “Abkürzer”.
Ein weiterer Punkt: In der Jagdsaison (Oktober bis Januar) ist die Gegend rund um Biniamar beliebtes Revier. An ausgeschilderten Jagdtagen (“Dia de caça”) ist es ratsam, sich vorab beim Ajuntament (Gemeindeamt) oder in der Bar im Ort zu informieren. Wer an solchen Tagen unterwegs ist, sollte knallige Kleidung tragen und nicht von den Wegen abweichen.
Das Wetter kann im Winter tückisch werden: Nach starken Regenfällen sind Teile des Weges matschig und rutschig, besonders im Bereich der Steineichenwälder. Turnschuhe sind hier fehl am Platz – feste Wanderschuhe mit Profil sind Pflicht. Auch auf die eigene Kondition achten: Der Anstieg ist länger, als es auf der Karte aussieht, und es gibt unterwegs keine Möglichkeit zur Abkürzung oder zum Nachfüllen von Wasser.
RĂĽckweg, Alternativen und Empfehlungen fĂĽr die Pause danach
Am Coll de Biniamar angekommen, gibt es mehrere Möglichkeiten für den Rückweg. Die klassische Variante führt auf gleichem Weg zurück nach Biniamar. Wer es sportlicher mag, kann die Runde über Binibona erweitern – dafür sollte man aber eine zusätzliche Stunde und etwas Orientierungssinn einplanen. Alternativ lässt sich die Wanderung mit dem “Camà Vell de Lluc” kombinieren, einem alten Pilgerweg in Richtung Kloster Lluc. Achtung: Diese Varianten sind länger und führen teilweise über wenig markierte Pfade – für Einsteiger eher nicht zu empfehlen.
Zurück im Dorf lohnt sich eine Pause im Ca’s Puput (Plaça Major 4, Biniamar), einer urigen Bar mit echter Dorfatmosphäre. Hier bekommt man ein “Pa amb Oli” ab 5 Euro, dazu lokalen Rotwein oder ein kühles “Estrella Galicia” vom Fass. Wer noch Zeit hat, kann einen Abstecher nach Lloseta machen – dort lockt das Café Es Forn mit hausgemachtem “Gató d’ametlla”, einem mallorquinischen Mandelkuchen (Adresse: Plaça Espanya 6, Lloseta).
Mein Tipp für Sparfüchse: Wer mit dem Zug anreist (Bahnhof Lloseta), kann die Wanderung mit einer kurzen Bus- oder Taxifahrt nach Biniamar kombinieren. Das spart Parkstress und ist umweltfreundlich – außerdem erlebt man den mallorquinischen Alltag aus nächster Nähe.

Wann ist die beste Zeit fĂĽr die Wanderung Coll de Biniamar?
Diese Route zeigt sich im Frühling und Herbst von ihrer schönsten Seite. Im Februar und März locken Mandelblüte und grüne Hügel, das Wetter ist mild, und die Sonne steht angenehm tief. Im Sommer wird es auf Mallorca schnell heiß: Temperaturen von über 30 Grad sind keine Seltenheit, und die Route bietet nur teilweise Schatten. Wer im Sommer unterwegs ist, sollte spätestens um 8 Uhr starten und spätestens um 12 Uhr wieder zurück sein.
Im Winter kann es auf dem Coll frisch werden, besonders bei Nordwind. Die Steineichen bieten dann etwas Schutz, aber warme Kleidung und eine winddichte Jacke sind ein Muss. Regen verwandelt den Weg stellenweise in eine Rutschbahn – bei schlechtem Wetter empfiehlt sich eine Alternativroute im Flachland.
Ein lokaler Geheimtipp: Im Mai, wenn die meisten Touristen schon an den Stränden liegen, ist die Wanderung Coll de Biniamar oft menschenleer. Dann blühen die letzten wilden Orchideen, und das Licht ist weich – perfekt für Naturfreunde und Fotografen.
Kulturelle Besonderheiten und lokale Etikette
Wer sich auf die Wanderung Coll de Biniamar begibt, taucht in eine Welt ein, in der mallorquinische Traditionen noch gelebt werden. Es ist üblich, sich beim Begegnen zu grüßen – “Bon dia” am Morgen, “Bona tarda” am Nachmittag. In den Dörfern wird viel Wert auf Diskretion und Respekt gelegt: Lautes Verhalten oder das Betreten privater Grundstücke ohne Einladung gelten als unhöflich.
Ein besonderes Erlebnis, das viele übersehen: In Biniamar finden übers Jahr verteilt kleine Feste statt, etwa zu Ehren des Dorfpatrons Sant Teòdor. Besucher sind willkommen, sollten sich aber zurückhaltend verhalten und das Fotografieren von Menschen nur mit Einverständnis machen. Wer sich für die lokale Geschichte interessiert, findet in der Kirche Sant Teòdor Wandmalereien und eine kleine Ausstellung über das alte Dorfleben.
Abschließend noch ein Tipp, der oft unterschätzt wird: Wer im Dorf einkehrt oder einkauft, sollte bar bezahlen – Kartenzahlung wird vor allem in kleinen Bars und der Bäckerei manchmal nicht akzeptiert. Ein freundliches Lächeln und ein Dankeschön (“Grà cies”) kommen immer gut an.
Fazit: Wanderung Coll de Biniamar – authentisch, ruhig und voller Überraschungen
Die Wanderung Coll de Biniamar ist mehr als nur ein weiterer Hügel auf Mallorca – sie ist eine Einladung, die Insel mit anderen Augen zu sehen. Abseits der Touristenströme, durch stille Olivenhaine und vorbei an geschichtsträchtigen Schneehäusern, erlebt man hier die wahre Seele der Tramuntana. Wer sich auf diese Route einlässt, bekommt nicht nur frische Bergluft, sondern auch einen ehrlichen Einblick in das Inselleben, das von Respekt, Gelassenheit und Naturverbundenheit geprägt ist.
Mit etwas Vorbereitung – und dem Wissen aus diesem Artikel – wird die Wanderung Coll de Biniamar zum Genuss für Körper und Geist. Egal, ob du zum ersten Mal auf Mallorca wanderst oder schon viele Gipfel gesehen hast: Hier wartet kein Spektakel, sondern stille Schönheit und echtes Mallorca. Vielleicht sieht man sich ja einmal am Pass – dann gibt’s ein “Bon dia” und einen kleinen Austausch über die besten Pausenplätze. Viel Freude beim Entdecken, und genieße die Ruhe, solange sie hier noch zu finden ist.







