Warum kommt eigentlich kaum jemand auf die Idee, Mallorca im November zu besuchen? Während sich in Mitteleuropa langsam das Grau breitmacht, erlebt die Insel einen ihrer reizvollsten, unterschätztesten Monate. Auf Mallorca im November zeigt sich das echte Inselleben: Leere Buchten, milde Temperaturen, Mandelschimmer am Morgen – und ein Rhythmus, in dem die Uhren anders ticken. Hier erfährst du, wie sich der November wirklich anfühlt, warum die Insel für Einheimische jetzt am schönsten ist und was du wissen musst, um nicht in die typischen Fallen zu tappen. Ich zeige dir die besten Märkte, Events und Restaurants, die noch offen haben, und verrate, was du bei Wetter, Kleidung und Planung beachten solltest. Und ganz ehrlich: Wer einmal im November auf Mallorca war, sieht die Insel mit anderen Augen. Starten wir – und zwar so, wie es die Mallorquiner tun würden: mit Gelassenheit, Genuss und einem Blick für das, was abseits der Touristenrouten wirklich zählt.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Im November liegen die Tageshöchsttemperaturen auf Mallorca meist bei 18–22°C, nachts kühlt es auf 10–14°C ab – ideal für Wanderungen und Stadtbummel.
- Die Balearen sind jetzt ruhig, viele Strände wie die Cala Mondragó oder Cala Varques sind fast menschenleer – Baden ist mit Glück (und Mut) noch möglich.
- Zahlreiche Top-Restaurants und Bars machen Winterpause, doch echte Klassiker wie das „Ca’n Boqueta“ in Sóller oder das traditionsreiche „Celler Sa Premsa“ in Palma bleiben geöffnet.
- November ist der Monat der Feste: Das große Olivenfest in Caimari (Fira de l’Oliva) und die Dijous Bo in Inca sind authentische Highlights.
- Viele Hotels und Fincas bieten jetzt Sonderpreise – eine Woche in einer Agroturismo-Unterkunft bekommst du ab ca. 70–100 € pro Nacht.
- Packe wetterfeste Kleidung ein: Plötzliche Schauer sind typisch, doch sonnige Tage überwiegen meist.
- Die Serra de Tramuntana ist im Herbst ein Paradies für Wanderer – besonders die Route von Deià nach Sóller (ca. 3 Stunden, mittlerer Schwierigkeitsgrad).
- Autovermietungen sind deutlich günstiger, oft schon für 10–15 € pro Tag – aber buche im Voraus, da viele Flotten verkleinert werden.
- Vorsicht vor „Winterschlaf“: In kleinen Küstenorten wie Colònia de Sant Jordi oder Port de Sóller sind viele Geschäfte geschlossen – Alternativen in Inca oder Palma bieten mehr Leben.
- Die Märkte im November sind authentischer als im Sommer: Der Sonntagsmarkt in Santa Maria del Camí lohnt sich besonders für lokale Produkte und weniger Touristenrummel.
Mallorca im November: Wie ist das Wetter wirklich?
Wer auf Mallorca im November unterwegs ist, erlebt ein Wetter, das so wechselhaft wie charmant sein kann. Die Tage starten oft mit einem sanften Licht und frischer Luft, bevor es gegen Mittag angenehm warm wird. Durchschnittlich liegen die Tageshöchstwerte bei etwa 19°C, im Süden der Insel können es sogar 22°C werden. Nachts kühlt es deutlich ab, daher ist eine Jacke Pflicht. Was viele unterschätzen: Die Sonne bleibt kräftig, Sonnenbrand ist auch im Herbst kein Fremdwort.
Regen ist im November häufiger als in den Sommermonaten, aber selten ein Dauerzustand. Typisch sind kurze, kräftige Schauer, die oft nach wenigen Stunden wieder vorbei sind – danach duftet die Luft wunderbar nach Pinien und feuchter Erde. Der Wind kann auffrischen, besonders an der Nordküste und auf den Höhenzügen der Serra de Tramuntana. Wer flexibel bleibt, kann das Wetter meist gut für Unternehmungen nutzen.
Ein echter Insider-Tipp: Die Mandelbäume beginnen im November dezent zu blühen – ein Vorbote des Winters und ein seltener Anblick für aufmerksame Besucher. Und noch ein Vorteil: Die Lichtverhältnisse sind jetzt ideal für Fotografen, denn das warme, goldene Herbstlicht taucht die Landschaft in eine ganz eigene Stimmung.
Welche Strände & Calas lohnen sich im November?
Viele denken, im November wären die Strände auf Mallorca tabu – ein Irrtum. Tatsächlich gehören sie jetzt den Einheimischen und ein paar mutigen Schwimmern. Die Wassertemperatur liegt meist bei 18–20°C, für Nord- oder Ostseefans kein Problem, für Frostbeulen immerhin ein erfrischendes Erlebnis.
Die Cala Mondragó im Südosten ist jetzt besonders schön: Das Naturreservat ist fast menschenleer, die Pinienwälder rundherum duften intensiv und die Bucht gehört oft dir allein. Noch einsamer wird es an der Cala Varques bei Manacor – hier kannst du morgens mit etwas Glück Delfine beobachten, bevor sich vielleicht ein paar Wanderer blicken lassen.
Was viele nicht wissen: Auch die Playa de Muro im Norden bleibt einen Besuch wert. Die langen Holzstege und das ruhige Wasser machen Spaziergänge zum Genuss, ein Picknick mit Blick auf die Bucht von Alcúdia ist jetzt unschlagbar. Allerdings: Viele Strandbars (Chiringuitos) sind abgebaut, also unbedingt Proviant mitnehmen.
Wichtig zu wissen: Rettungsschwimmer sind ab November meist nicht mehr im Dienst. Strömungen und plötzliche Wellen (Mallorquiner sagen „Mar de Fondo“) können tückisch sein – also beim Baden immer vorsichtig bleiben.
Events und Feste: Was ist los auf Mallorca im November?
Auf Mallorca im November stehen die Feste der Einheimischen im Mittelpunkt. Der absolute Klassiker ist die „Dijous Bo“ in Inca, das größte Herbstfest der Insel (immer am dritten Donnerstag im November). Das Städtchen verwandelt sich einen Tag lang in einen riesigen Jahrmarkt: Markstände, Livemusik, Tierschauen, Tapasstände und ein Getümmel, das man so nur selten erlebt. Tipp: Früh anreisen, Parkplätze sind rar, und unbedingt die traditionellen „Buñuelos“ (frittierte Teigkringel) probieren.
Ein weiteres Highlight ist die Fira de l’Oliva in Caimari, meist am zweiten oder dritten Novemberwochenende. Hier dreht sich alles um die Olive: Öle werden verkostet, alte Pressen vorgeführt, und lokale Bauern verkaufen ihre Produkte direkt vom Feld. Wer authentische mallorquinische Atmosphäre sucht, ist hier richtig – Touristen sind in der Minderheit.
Weniger bekannt, aber nicht minder reizvoll: In Santa Maria del Camí findet sonntags einer der schönsten Herbstmärkte statt. Jetzt gibt es frische Pilze (Setas), Honig und handgemachte Keramik – und es bleibt Zeit für einen Café con leche auf dem Plaça Nova. Viele Winzer öffnen in dieser Zeit ihre Bodegas für Führungen und Verkostungen – unbedingt vorher anfragen („visita guiada“).
Kulturell Interessierte kommen in Palma auf ihre Kosten: Das Jazz Voyeur Festival bringt internationale Künstler auf die Bühne, zahlreiche Galerien eröffnen neue Ausstellungen und das Teatro Principal zeigt lokale Produktionen. Tipp: Karten für größere Events rechtzeitig reservieren, denn die Plätze sind begrenzt.

Was hat offen – und wo wird es eng?
Wer Mallorca im November besucht, muss sich auf veränderte Öffnungszeiten einstellen. Viele klassische Strandrestaurants (wie das berühmte „Ponderosa Beach“ in Playa de Muro) verabschieden sich in die Winterpause. In kleinen Badeorten wie Colònia de Sant Jordi, Port de Sóller oder Cala d’Or kann es gespenstisch ruhig werden – Restaurants, Supermärkte und sogar Apotheken sind teils geschlossen oder haben stark verkürzte Öffnungszeiten.
Die gute Nachricht: In Palma, Inca, Sóller oder Manacor bleibt das Leben lebendig. Hier haben die meisten Läden, Bars und Bäckereien (Panaderías) wie gewohnt geöffnet. Besonders empfehlenswert in Palma: Das Café „Ca’n Joan de s’Aigo“ – hier gibt’s die authentischste heiße Schokolade der Insel und frischen Ensaimada, genau das Richtige nach einem Novemberregen.
Echte Restaurant-Geheimtipps für November: Das „Ca’n Boqueta“ in Sóller serviert ein saisonales Menü mit lokalen Produkten – Reservierung empfohlen, da viele Einheimische im Winter hier einkehren. Das „Celler Sa Premsa“ in Palma ist ein Klassiker für herzhafte mallorquinische Küche, von Frito Mallorquín bis Tumbet. Und im „Sa Tafona“ in Alaró bekommst du Lamm und Wild aus der Region, oft am offenen Kamin serviert.
Ein Hinweis aus Erfahrung: In den ländlichen Regionen wie rund um Campos oder Porreres ist unter der Woche wenig los – sonntags öffnen dafür viele Kellerlokale (Cellers) und bieten rustikale Menüs zu fairen Preisen (ab ca. 15–20 € pro Person).
Aktivitäten: Was lohnt sich im November besonders?
Auf Mallorca im November kommt die Natur zur Ruhe – und genau das macht Outdoor-Aktivitäten jetzt so attraktiv. Wandern steht ganz oben: Die Serra de Tramuntana zeigt sich nach dem ersten Regen saftig-grün, Wasserfälle führen wieder Wasser und die Wege sind angenehm leer. Die Strecke von Deià nach Sóller (ca. 3 Stunden, mittlerer Schwierigkeitsgrad) bietet spektakuläre Ausblicke und verläuft durch duftende Olivenhaine. Ausgangspunkt ist der Dorfplatz von Deià, Ziel der Bahnhof von Sóller – Rückfahrt am besten mit der historischen Straßenbahn.
Auch Radfahrer finden jetzt perfekte Bedingungen: Weniger Verkehr, milde Temperaturen und gute Luft. Die Klassiker wie der Anstieg zum Puig Major oder die Runde um den Gorg Blau sind jetzt entspannter zu meistern. Tipp: Viele Radverleiher bieten im November attraktive Wochenpreise – vorher online reservieren, da einige Betriebe schließen oder verkleinert arbeiten.
Kulinarische Entdeckungen lohnen sich besonders: Viele Olivenölproduzenten (z.B. Son Moragues in Valldemossa) bieten Führungen und Verkostungen an. In der Markthalle von Sineu kannst du lokale Spezialitäten wie Sobrassada (Paprikawurst) probieren und direkt beim Bauern kaufen. Die Winzer im Pla i Llevant öffnen ihre Bodegas für kleine Gruppen – eine Voranmeldung („reserva previa“) ist fast immer nötig.
Für Kulturinteressierte: Die Kathedrale von Palma („La Seu“) ist im Herbst besonders stimmungsvoll und weniger überlaufen. Wer Kunst mag, sollte in die Fundación Miró oder das Es Baluard Museum schauen – viele Ausstellungen wechseln im November.
Praktische Tipps: Geld, Mobilität und Planung
Ein echter Vorteil auf Mallorca im November: Viele Preise sinken. Mietwagen sind für 10–15 € pro Tag zu haben, auch Hotels und Agroturismos locken mit Off-Season-Tarifen. Wer flexibel ist, kann oft spontan günstige Unterkünfte finden – aber Vorsicht: In den Bergen oder auf dem Land sind viele Fincas komplett geschlossen, vorher anrufen lohnt sich.
Für die Fortbewegung empfiehlt sich ein Mietwagen, denn der Busverkehr ist im Winter ausgedünnt, vor allem abends und am Wochenende. Innerhalb Palmas funktioniert der öffentliche Nahverkehr aber zuverlässig. Wer Ausflüge plant, sollte die aktuellen Fahrpläne (tib.org) checken – sie ändern sich im Herbst oft kurzfristig.
Bargeld bleibt auf Mallorca wichtig, besonders auf Märkten oder in kleinen Dörfern. Viele Restaurants akzeptieren zwar Karten, aber gerade bei niedrigen Beträgen wird Bargeld bevorzugt. Automaten („Cajeros automáticos“) finden sich in jedem größeren Ort.
Packliste: Neben wetterfester Kleidung, festen Schuhen und einem leichten Pullover empfiehlt sich ein Regenschirm („paraguas“) oder eine dünne Regenjacke. Sonnencreme nicht vergessen – das Licht kann auch im Spätherbst kräftig sein. Steckdosen und Stromspannung entsprechen dem europäischen Standard.
Ein oft übersehener Tipp: Die Siesta wird im Herbst wieder ernster genommen. Zwischen 14 und 16 Uhr schließen viele Geschäfte, besonders außerhalb Palmas – ideal also, um sich selbst eine Pause zu gönnen.
Mallorquinische Kultur & Etikette: Worauf achten im November?
Im November auf Mallorca tauchst du tiefer in die lokale Kultur ein als zu jeder anderen Zeit. Die meisten Touristen sind abgereist, und in den Dörfern bestimmen wieder die alten Rhythmen das Leben. Wer morgens durch Sóller, Pollença oder Artà schlendert, hört das mallorquinische Katalan (Mallorquín) auf den Straßen – ein deutliches Zeichen, dass das Inselleben den Takt angibt.
Ein wichtiger Knigge-Tipp: In Cafés und auf Märkten wird jetzt mehr Wert auf Höflichkeit gelegt. Ein freundliches „Bon dia“ (guten Morgen) oder „Moltes gràcies“ (vielen Dank auf Mallorquín) öffnen dir oft Türen und bringen ehrliche Gastfreundschaft zurück. In kleineren Orten kann es passieren, dass du auf Deutsch oder Englisch nicht weiterkommst – ein paar spanische oder mallorquinische Wörter helfen enorm.
Was viele nicht wissen: Die Einheimischen schätzen es, wenn Besucher sich an das langsamere Tempo anpassen. Hektik oder lautes Auftreten kommen weniger gut an. Wer sich Zeit nimmt, bekommt oft die besseren Tipps – etwa, wo noch ein kleiner Bäcker frisches Pa amb Oli (Brot mit Olivenöl und Tomate) serviert oder welcher Winzer gerade den neuen Jahrgang probieren lässt.
Ein kultureller Fauxpas, den du vermeiden solltest: Im November finden auf vielen Friedhöfen Allerseelen-Feiern statt. Spaziergänge über den Friedhof sind grundsätzlich möglich, aber bitte stets respektvoll und diskret auftreten – hier herrscht eine ganz eigene, stille Atmosphäre.
Was du im November auf Mallorca meiden solltest
So schön Mallorca im November sein kann, gibt es auch Dinge, die du besser umgehst. Viele Freizeitparks (wie das Palma Aquarium oder Katmandu Park) haben reduzierte Öffnungszeiten oder sind ganz geschlossen – wer mit Kindern reist, sollte vorher die Websites checken.
Auch die berühmten Wochenmärkte in touristischen Hochburgen wie Alcúdia oder Cala Millor wirken im November oft ausgestorben – viele Stände fehlen oder verkaufen austauschbare Billigware. Authentischer sind die Märkte in Santa Maria, Sineu oder Inca, wo noch echte Bauern und Handwerker präsent sind.
Ein klassischer Fehler: Ohne Reservierung in begehrten Restaurants aufzutauchen. Im Winter sind weniger Plätze verfügbar, weil viele Betriebe nur einen Gastraum öffnen – spontan geht oft nichts, besonders an Wochenenden.
Vorsicht auch bei Wanderungen nach starken Regenfällen: Manche Wege, etwa in der Schlucht des Torrent de Pareis, können rutschig oder gesperrt sein. Immer aktuelle Hinweise („senderos cerrados“) beachten und im Zweifel bei der lokalen Touristeninformation nachfragen.

Last but not least: Unterschätze nicht, wie ruhig es in den Küstenorten werden kann. Wer echtes Inselleben sucht, ist jetzt richtig – wer Party und Trubel erwartet, sollte lieber nach Palma ausweichen.
Fazit: Mallorca im November – der Geheimtipp für Genießer
Mallorca im November bedeutet: Die Insel von ihrer authentischsten Seite erleben. Wer jetzt kommt, entdeckt leere Strände, echte Feste, kulinarische Highlights und ein Tempo, das wie Balsam nach einem hektischen Sommer wirkt. Das Wetter ist milder, als viele denken, und die Landschaft zeigt sich von ihrer buntesten, ruhigsten Seite. Es braucht Flexibilität und die Bereitschaft, sich auf das langsame Inselleben einzulassen – dafür wird man mit Momenten belohnt, die im Sommer unmöglich wären.
Ob Wanderung durch die Tramuntana, ein Plausch mit dem Bäcker auf dem Dorfmarkt oder ein Glas mallorquinischer Rotwein am Kamin: Im November wird Mallorca zur Bühne für echte Begegnungen. Wer einmal mit offenen Augen durch die Gassen von Sóller oder Palma spaziert hat, wenn die Straßenlichter sich im nassen Pflaster spiegeln und der Geruch von frischem Gebäck in der Luft liegt, weiß: Die Insel ist im Herbst kein Ersatzprogramm, sondern eine Einladung, sie noch tiefer zu erleben. Wer die Chance nutzt, wird sie nicht bereuen – und vielleicht nie wieder im Hochsommer kommen wollen.







